Posterous theme by Cory Watilo

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Subjekt wird Objekt - Die Folgen einer patriarchalischen Gesellschaft

Gerade im Sommer nimmt die Bereitschaft zur Freizügigkeit unter jungen Mädchen und Frauen wieder zu und diesen Anblick habe im zum Anlass genommen, mir zu dem Thema des Warums? einige Gedanken zu machen und diese festzuhalten. Warum stellen diese Frauen ihren Körper – der in den meisten Fällen einem von der Gesellschaft als „makellos“ definiertem Schema entspricht – so offen zur Schau? Wollen, um es auf das Wesentliche herunterzubrechen, junge Frauen von Männern angestarrt und soll ihnen hinterher gepfiffen werden?

In unserer Gesellschaft ist folgende Entwicklung eingetreten: Nicht etwa sind die Frauen wie gern behauptet mit den Männern gleichgestellt, sondern genau das Gegenteil ist eingetreten: Die Kernkompetenzen einer Frau, also das, was die Gesellschaft von ihr erwartet, entfremdet sich immer mehr von den Kompetenzen, die an Männer gestellt werden. Männer sind gern gesehen, wenn sie sich etwas erarbeitet haben, beispielsweise Erfolg, Reichtum, Macht. Frauen hingehen – dafür können sie nicht einmal etwas, denn das ist die ihnen durch diese von den Männern geprägte Gesellschaft zugetragene Rolle – müssen etwas gegeben haben. Sie werden dadurch identifiziert. Schönheit etwa. Bei einem Mann spielt diese Komponente lediglich eine untergeordnete Rolle.

Der Grund dafür liegt darin begründet, wie die patriarchalische Gesellschaft in der wir leben die Rolle der Frau sieht. Durch diese Reduzierung des weiblichen Geschlechts auf Attraktivität ist das Weltbild des Mannes ein ebenso Eindeutiges wie Fatales: Wenn ein Mann eine ihm zuvor nicht bekannte Frau trifft (nehmen wir an, in einer Bar oder in einem Park), sieht er in ihr kein gleichwertiges Subjekt, ganz so wie er eines ist, sondern ein reines Objekt, das er – ich wage zu sagen, oft unbewusst – auf Körperliches vermindert.

Schon kleine männliche Kinder werden so erzogen, dass sie, während sie mit Autos (stark, machtvoll, unangreifbar) spielen, die Frauen mit Puppen (klein, zerbrechlich) spielen. Mit der Suche nach dem, was als typisch für das einzelne Geschlecht gesehen wird, kann man dieses Spiel stundenlang fortsetzen. Bereits hier findet eine strikte Trennung statt, die logischerweise auf die kindliche Entwicklung hin zu einem jungen Mann erheblichen Einfluss ausübt. Weitere Faktoren, die diese Entwicklung immer weiter voran treiben, ist die gerne als altmodisch verspottete, doch nach wie vor in der Gesellschaft vorhandene „typische Frauenrolle“.

Soweit zu der von den dominierenden Männern für die Frau geschaffene Rolle. Zu dem weiblichen Unglück allerdings kommt ein weiteres Stück dieser Spirale, der Reduzierungsspirale: die Frau sich in die Rolle ohne Rebellion ein und erweitert sie sogar selbstständig. Wer attraktiv ist, gilt als „besser“. Frauen reduzieren sich auch gegenseitig. Sie wollen attraktiv wirken und das ist darüber hinaus, dass diese Ansicht von den Männern diktiert wird, auch vielen Frauen enorm wichtig, womit sie sich in die ihnen geformte Rolle einpassen und die Form – und damit letztendlich die Messlatte für die gesamte weibliche Bevölkerungshälfte – selbständig höher setzt.

Um aus diesem Teufelskreis zu entkommen, der meiner Meinung unweigerlich in einer sich immer weiter steigernden Ausbeutung des weiblichen Körpers und somit in einer weiteren Fokussierung durch die Männer auf die weibliche Attraktivität mündet, muss man radikal umdenken: nur, wenn Frauen als gleichgesetzte Partner gesehen werden und – das ist sehr wichtig – diese von der Teilnahme an der Spirale abzubringen sind, kann ein Ausweg aus dieser gefunden werden.

Dieser Text ist – aber ich glaube, das ist schon herübergekommen – nicht frauenfeindlich, sondern setzt sich eher im Gegenteil für sie ein. Gerne stehe ich auch für eine Diskussion zur Verfügung. Diese Gedanken sind natürlich keine Dogmen – dafür habe ich von Psychologie und Soziologie zu wenig Ahnung und Erfahrung – und werden auch regelmäßig weiterentwickelt und überarbeitet. Nicht nur aus diesem Grunde würde ich mich über eure Ergänzungen, gegensätzliche Ansichten und Meinungen dazu freuen.

"Menschen werden wie Nummern behandelt."

Schließlich muss ich noch einmal Erich Fromm zitieren, der mich mit "Die Seele des Menschen" geprägt hat und damit eine neue Leidenschaft angefacht hat: Psychologie. Hier ein Abschnitt, der in vollem Maße meine Meinung trifft.

Unsere Einstellung zum Leben wird immer mechanischer. Unser Hauptziel ist es, Dinge zu produzieren, und im Zug dieser Vergötzung der Dinge verwandeln wir uns selbst in Gebrauchsgüter. Die Menschen werden wie Nummern behandelt. Es geht nicht darum, ob sie gut behandelt und ernährt werden (auch Dinge kann man gut behandeln); es geht darum, ob Menschen Dinge oder lebendige Wesen sind. Die Menschen finden mehr Gefallen an mechanischen Apparaten als an lebendigen Wesen. Die Begegnung mit anderen Menschen erfolgt auf einer intellektuell-abstrakten Ebene. Man interessiert sich für sie als Objekte, für die ihnen gemeinsamen Eigenschaften, für die statistischen Gesetze des Massenverhaltens, aber nicht für lebendige Einzelwesen. All dies geht Hand in Hand mit einer ständig zunehmenden Bürokratisierung. In riesigen Produktionszentren, in riesigen Städten, in riesigen Ländern werden die Menschen verwaltet, als ob sie Dinge wären; die Menschen und die, welche sie verwalten, verwandeln sich in Dinge, und sie gehorchen den Gesetzen von Dingen. Aber der Mensch ist nicht zum Ding geschaffen; er geht zugrunde, wenn er zum Ding wird, und bevor es dazu kommt, gerät er in Verzweiflung und möchte das Leben abtöten.
Im bürokratisch organisierten und zentralisierten Industriestaat wird der Geschmack dergestalt manipuliert, daß die Leute auf vorauskalkulierbare und gewinnbringende Weise möglichst viel konsumieren. Ihre Intelligenz und ihr Charakter wird durch die ständig zunehmende Rolle von Tests standardisiert, welche den Mittelmäßigen und das Wagnis Vermeidenden vor den Originellen und Wagemutigen den Vorrang einräumen. Tatsächlich hat die bürokratisch-industrielle Zivilisation, die in Europa und Nordamerika den Vorrang gewonnen hat, einen neuen Menschentyp geschaffen, den man als den Organisationsmenschen, den Automatenmenschen und als homo consumens bezeichnen kann. Er ist außerdem ein homo mechanicus, worunter ich einen menschlichen Apparat verstehe, der sich von allem Mechanischen angezogen und von allem Lebendigen abgestoßen fühlt. Zwar ist der Mensch von der Natur mit so starken biologischen und physiologischen sexuellen Trieben ausgestattet, daß selbst der homo mechanicus noch sexuelle Begierden hat und sich nach Frauen umsieht. Aber andererseits ist nicht zu bezweifeln, daß das Interesse des Automatenmenschen an den Frauen abnimmt. Eine New Yorker Karikatur weist treffend darauf hin: eine Verkäuferin, die einer jungen Kundin ein bestimmtes Parfüm verkaufen möchte, empfiehlt es ihr mit den Vi'orten: »Es riecht wie ein neuer Sportwagen.« Jeder, der heute das Verhalten der Männer aufmerksam beobachtet, wird bestätigen, daß diese Karikatur mehr ist als ein guter Witz.. Offensichtlich gibt es heute sehr viele Männer, die sich mehr für Sportwagen, für Fernseh- und Radiogeräte, für Raumfahrt und alle möglichen technischen Spielereien interessieren als für Frauen, Liebe, Natur und ein gutes Essen. Die Beschäftigung mit nichtorganischen, mechanischen Dingen stimuliert sie stärker als das Leben. Es ist nicht einmal allzu abwegig zu vermuten, daß der Stolz und die Begeisterung des homo mechanicus über Geräte, die Millionen von Menschen auf eine Entfernung von mehreren tausend Meilen innerhalb von Minuten töten können, größer ist als seine Angst und Niedergeschlagenheit über die Möglichkeit einer solchen Massenvernichtung. Der homo mechanicus genießt noch den Sex und den Drink, aber er sucht diese Freuden in einem mechanischen und unlebendigen Rahmen. Er meint, es müsse da einen Knopf geben, den man nur zu drücken brauche, um Glück, Liebe und Vergnügen zu erhalten. (Viele gehen zum Psychotherapeuten mit der Illusion, er könne ihnen sagen, wo so ein Knopf zu finden ist.) Ein solcher Mann betrachtet die Frauen mit denselben Augen, mit denen er ein Auto betrachtet.