Gerade im Sommer nimmt die Bereitschaft zur Freizügigkeit unter jungen Mädchen und Frauen wieder zu und diesen Anblick habe im zum Anlass genommen, mir zu dem Thema des Warums? einige Gedanken zu machen und diese festzuhalten. Warum stellen diese Frauen ihren Körper – der in den meisten Fällen einem von der Gesellschaft als „makellos“ definiertem Schema entspricht – so offen zur Schau? Wollen, um es auf das Wesentliche herunterzubrechen, junge Frauen von Männern angestarrt und soll ihnen hinterher gepfiffen werden?
In unserer Gesellschaft ist folgende Entwicklung eingetreten: Nicht etwa sind die Frauen wie gern behauptet mit den Männern gleichgestellt, sondern genau das Gegenteil ist eingetreten: Die Kernkompetenzen einer Frau, also das, was die Gesellschaft von ihr erwartet, entfremdet sich immer mehr von den Kompetenzen, die an Männer gestellt werden. Männer sind gern gesehen, wenn sie sich etwas erarbeitet haben, beispielsweise Erfolg, Reichtum, Macht. Frauen hingehen – dafür können sie nicht einmal etwas, denn das ist die ihnen durch diese von den Männern geprägte Gesellschaft zugetragene Rolle – müssen etwas gegeben haben. Sie werden dadurch identifiziert. Schönheit etwa. Bei einem Mann spielt diese Komponente lediglich eine untergeordnete Rolle.
Der Grund dafür liegt darin begründet, wie die patriarchalische Gesellschaft in der wir leben die Rolle der Frau sieht. Durch diese Reduzierung des weiblichen Geschlechts auf Attraktivität ist das Weltbild des Mannes ein ebenso Eindeutiges wie Fatales: Wenn ein Mann eine ihm zuvor nicht bekannte Frau trifft (nehmen wir an, in einer Bar oder in einem Park), sieht er in ihr kein gleichwertiges Subjekt, ganz so wie er eines ist, sondern ein reines Objekt, das er – ich wage zu sagen, oft unbewusst – auf Körperliches vermindert.
Schon kleine männliche Kinder werden so erzogen, dass sie, während sie mit Autos (stark, machtvoll, unangreifbar) spielen, die Frauen mit Puppen (klein, zerbrechlich) spielen. Mit der Suche nach dem, was als typisch für das einzelne Geschlecht gesehen wird, kann man dieses Spiel stundenlang fortsetzen. Bereits hier findet eine strikte Trennung statt, die logischerweise auf die kindliche Entwicklung hin zu einem jungen Mann erheblichen Einfluss ausübt. Weitere Faktoren, die diese Entwicklung immer weiter voran treiben, ist die gerne als altmodisch verspottete, doch nach wie vor in der Gesellschaft vorhandene „typische Frauenrolle“.
Soweit zu der von den dominierenden Männern für die Frau geschaffene Rolle. Zu dem weiblichen Unglück allerdings kommt ein weiteres Stück dieser Spirale, der Reduzierungsspirale: die Frau sich in die Rolle ohne Rebellion ein und erweitert sie sogar selbstständig. Wer attraktiv ist, gilt als „besser“. Frauen reduzieren sich auch gegenseitig. Sie wollen attraktiv wirken und das ist darüber hinaus, dass diese Ansicht von den Männern diktiert wird, auch vielen Frauen enorm wichtig, womit sie sich in die ihnen geformte Rolle einpassen und die Form – und damit letztendlich die Messlatte für die gesamte weibliche Bevölkerungshälfte – selbständig höher setzt.
Um aus diesem Teufelskreis zu entkommen, der meiner Meinung unweigerlich in einer sich immer weiter steigernden Ausbeutung des weiblichen Körpers und somit in einer weiteren Fokussierung durch die Männer auf die weibliche Attraktivität mündet, muss man radikal umdenken: nur, wenn Frauen als gleichgesetzte Partner gesehen werden und – das ist sehr wichtig – diese von der Teilnahme an der Spirale abzubringen sind, kann ein Ausweg aus dieser gefunden werden.
Dieser Text ist – aber ich glaube, das ist schon herübergekommen – nicht frauenfeindlich, sondern setzt sich eher im Gegenteil für sie ein. Gerne stehe ich auch für eine Diskussion zur Verfügung. Diese Gedanken sind natürlich keine Dogmen – dafür habe ich von Psychologie und Soziologie zu wenig Ahnung und Erfahrung – und werden auch regelmäßig weiterentwickelt und überarbeitet. Nicht nur aus diesem Grunde würde ich mich über eure Ergänzungen, gegensätzliche Ansichten und Meinungen dazu freuen.

Comments (8)
Du schreibst: "Wenn ein Mann eine ihm zuvor nicht bekannte Frau trifft (nehmen wir an, in einer Bar oder in einem Park), sieht er in ihr kein gleichwertiges Subjekt, ganz so wie er eines ist, sondern ein reines Objekt, das er – ich wage zu sagen, oft unbewusst – auf Körperliches vermindert."
Woher diese Unterstellung? Damit begibst du dich erkenntnistheoretisch (aus meiner Sicht) auf sehr dünnes Eis – es gibt nicht "den Mann", der "den Gedanken" hat (=> http://de.wikipedia.org/wiki/Soziokultureller_Konstruktivismus ).
Deine Konzeption eines Männer- und Frauenbildes scheint zunächst mal das "altbekannte" zu sein. Was ist für dich der Anstoß / die (empirische?) Grundlage, diese als gegeben anzusehen?
Was meinst du mit dem zweiten Abschnitt? Ich verarbeite hier Eindrücke, die ich als mit offenen Augen durch die Welt Laufender habe, keine Beweise oder Studienergebnisse.
Schon mein Vater lehrte mich:
"Männer sind alle Primaten, glaub mir denn ich bin auch einer!"
Wie recht er hat.
Evolutionsbiologisch gesehen ist der Mann dazu geoboren, seine Gene an möglichst viele Fauen weiterzugeben um die Nachkommenschaft zu sichern.
Frauen hingegen suchen instinktiv nach Schutz und folglich nach dem EINEN der ihr dieses bieten kann.
Das Verhalten mancher Frauen passt sich in dieses alte Schema ein.
Und ich frage Dich: Welcher Mann möchte von einer Frau "erobert" werden?
Der ist doch eher weg als man gucken kann.
Wie dem auch sei, wer zu den 10 Prozent der Männer gehört die von diesem Verhalten abweichen, ist meist schon glücklich liiert.
Und das möchte ich betonen, die 10 Prozent sind mitnichten intelligenter als die anderen, sie haben den anderen nur eines voraus:
Sie respektieren sich selbst und den anderen und haben gelernt Frauen als gleichwertige Partner anzuerkennen.
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