Es sind so Diskussionen wie ich sie hasse. Tausendmal diskutiert, tausendmal kein Kompromiss gefunden. Die deutsche Sprache ist wandelbar, Jungs! Deshalb verließ ich auch die Session beim BarCamp von Martin und Robert frühzeitig, als wieder die alten Diskussionen aufgerollt wurden. Dazu gehört nicht nur “Braucht ein Blog Trackbacks” sondern auch “Der Artikel von ‘Blog’”.
Mike ist es diesmal, der einem vorschreiben will, was man zu sagen / schreiben hat. Und Nicole ist es, die sagt, ich würde kleine Kinder fressen (”Wer der Blog sagt frißt auch kleine Kinder.”). Und die ganzen anderen sind es, die mal wieder die Diskussion mitspielen. Mache ich nun auch. Und immer wenn mich einer nach meiner Meinung fragt, werde ich auf diesen Artikel verweisen, denn langsam hab ich es satt. Tut mir leid, ist aber so.
Ich blogge (erst) seit einem Jahr und sage seit der Anfangszeit “der Blog”. Ab und zu kommt mir ein “das” über die Lippen oder besser über die Finger. Ich sage “DER” Blog. Mir ist es egal, ob jemand mich deswegen auslacht. Ich sage trotzdem “DER” Blog. Ist mir ja auch egal, ob jemand “die Blog” sagt. Blogs von Log abzuleiten und zu sagen, im Englischen heißt es “the blog” und deshalb muss es “das” heißen ist falsch. Heißt ja auch “DER” Download.
Vor einiger Zeit habe ich mich mal mit Alexander darüber unterhalten, nach welchen Prinzipien und Regeln man Artikel für Dinge verteilt (beispielsweise “der Tisch”, “die Reise”). Wer entscheidet, wann der Tisch “männlich” und wann die Reise “weiblich” ist? Er sagte mir daraufhin, dass sich das durch die Benutzung entscheidet. So kann es durchaus sein, dass in einigen Regionen Deutschland (die mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten sein müssten) jemand “das Reise” sagt. Bei Personen ist die Verteilung da klarer: die Tante, der Onkel, die Oma aber aufpassen Außsnahme: das Mädchen.
Aussagen wie “Für mich persönlich ist es ziemlich einfach: wer “der Blog” sagt, ist definitiv kein Alt-Blogger. Auch eine Einordnungshilfe…” sind für mich echt daneben und heitern das Klima in der Blogosphäre nicht gerade auf. In der Nazizeit wollten uns Leute auch mal was vorschreiben…
Ich will damit sagen, dass niemand einem anderen vorzuschreiben hat, welche Artikel er gebraucht, theoretisch auch nicht bei “Tisch”. Es gibt dort keine Regel, nur Häufigkeiten der Verwendung. Wenn immer mehr Leute “der Tisch” sagen werden diejenigen (wenn es sie denn geben sollte), die “das Tisch” präferieren, irgendwann “aussterben”.
Ein Blog fragt sogar, “Für was […] es einen Duden [braucht], wenn dieser keine sprachlichen Leitplanken setzt”. Der Duden kann gar nicht vorschreiben, wie jemand zu reden hat. Niemand kann das. Nur um verstanden zu werden, sollte man sich bemühen. Der Duden setzt keine Leitplanken, wie der Autor es formuliert hat. Der Duden fungiert als Spiegelbild der deutschen Sprache. Besser: der Duden zeigt, wie die meisten reden und schreiben.
Der Duden “erlaubt” übrigens beides. Und bei Loic Le Meur gab es diese Diskussion auch mal.
Das Zitat “Ich ziehe “das Blog” vor, obwohl ich als Bayer auch an “der Butter” und “der Radio” gewöhnt bin ;-)”, beweist meine oben genannte These.