Posterous theme by Cory Watilo

Gleichberechtigung

Aus gegebenen Anlass. Eine Frauenquote ist der natürliche Feind der Gleichberechtigung. Sie steht im Gegensatz dazu, denn sie bevorzugt und benachteiligt. Es werden Probleme nicht gelöst, sondern verschoben. Echte Gleichberechtigung hingegen kennt kein Geschlecht. Erst wenn wir keine Diskussionen mehr darüber führen, wie viel Prozent der Vorstände weiblich sind oder wie viele Piratenabgeordneten Frauen sind, haben wir Gleichberechtigung erreicht. Besser: erst wenn wir gar nicht mehr darüber nachdenken, dass wir darüber überhaupt eine Diskussionen hätten führen können.

Natürlich ist mir bewusst, dass es bis dahin ein großer Schritt ist, aber jede Veränderung beginnt in uns selbst. Also: Bitte ein Ende der unsinnigen Gender-Diskussion.

Dinge, die wir nie bekommen können.

Ich war schon oben.
Und war schon unten.
Hab überall mein Glück gesucht
und nirgends gefunden.
Und hab' gelernt:
Egal, was ich hab,
es ist nie das, was ich will.

Das menschliche Streben nach den Dingen, die wir nie bekommen können. In einfachen Worten, doch hoher Wahrheit auf den Punkt gebracht in "SchwarzWeiß", dem neuen Album des Hamburger Hip-Hop-Urgesteins Samy Deluxe. Endlich komme ich auch dazu, mich reinzuhören. Samy schickt sich mit diesem an, den Hip Hop in Deutschland auf den richtigen Pfad zurückzuführen. Wenn er das schafft: Respekt. Wenn nicht: auch. Es war nicht dein Fehler.

Vor zehn Jahren; und heute

Heute vor zehn Jahren war ich bei meinem damals besten Freund. Gerade erst zehn Jahre alt geworden, Grundschüler, interessierte mich für Disney und Tolkien. Wir saßen am Computer seiner Familie, Computer waren erst jüngst in unser kindliches Leben getreten und für uns noch ziemliches Neuland. Er stand im Wohnzimmer; ich erinnere mich an die Piepsgeräusche eines 56k-Modems, das sich verbindet.

Seine Schwester saß im selben Zimmer, hatte den Fernseher an. Während die flackernden Bilder betrachtete, sagte sie trocken: "Gerade ist ein Flugzeug in ein Haus geflogen." Ich weiß noch, dass es mich nicht sonderlich interessierte, ob irgendwo - für ein Kind so unendlich weit weg - ein Flugzeug abgestürzt war. Irgendwann gingen wir trotzdem zu ihr aufs Sofa, als wir ihre Stimmung bemerkten. Schließlich begriffen wir die Ausmaße. Doch nicht die Auswirkungen.

Die Auswirkungen sollten wir alle erst in den Jahren danach spüren. Kriege wurden durch diesen Akt legitimiert, Freiheits- und Bürgerrechte beschnitten. Ich komme um den Gedanken nicht herum, dass damit der Terrorismus erreicht hat, was er wollte. Viel tragischer als die erste Welle, der Anschlag als solcher, für unser aller Leben ist beim Terrorismus ja die zweite Welle: reflexartig zuschnappende Politiker, die sofort die Einschränkung sämtlicher Rechte einfordern - und dank kollektivem Nicken von uns allen durchsetzen. Doch das macht die Politiker zu Handlanger des Terrorismus. Gerade in solchen Zeiten hätten die Regierenden ihre Entschlossenheit zeigen müssen, dass wir uns als - sogenannte - Demokratie in unserer - sogenannten - Freiheit nicht beschneiden lassen werden. Gerade hier hätte man fester zusammenstehen müssen und statt ihn langsam aufzuweichen, einen festen Boden, ein Fundament, unter unserer Freiheit demonstrieren sollen. Tat man nicht.

Zehn Jahre danach kann man eigentlich nur sagen: der Terrorismus hat gewonnen. Doch nicht, wie wir alle vermuteten, weil es nach dem 11. September noch weitere, verheerendere Anschläge gegeben hätte, sondern weil sich die Angst vor ihm in unsere Köpfe gebrannt hat. Eine Angst, die reale Ängste, wie etwa die vor einem Autounfall oder vor Krebs, in den Hintergrund drängt. Manchmal glaube ich, wir Menschen wollen uns abstrakte Angstgeflechte aufbauen, um die realen, die uns tagtäglich begegnen, nicht wahrhaben oder besser verarbeiten zu können.

Was hat der 11. September aus uns gemacht? An Bahnhöfen werden vergessene Koffer mit Kleidung gesprengt. Natürlich, nachdem dieser geräumt wurde und der Zugverkehr in der Region für Stunden stillsteht. Terroristen brauchen heutzutage gar keine Bomben mehr, nur Koffer mit tickenden Weckern.
Angehörige des Islams werden als potentielle Attentäter, die uns nach dem Leben trachten, unter Generalverdacht gestellt. So ein Verhalten kennt man doch in der deutschen Vergangenheit. Natürlich, Vergangenheit wird sich nie wiederholen, auch wenn es oft genug prophezeit wird. Doch wir sollten einige Anzeichen beachten.

Wir sollten an dieser Stelle innehalten und uns fragen: wer hat gewonnen? Wir? Oder die Terroristen? Und wer hätte eigentlich gewinnen sollen?