"Und da bei euch im Süden von der Elbe,
da ist das Leben nicht dasselbe.
Denn da im Süden von der Elbe,
da sind die Leute nicht dasselbe."
Diese ungekünzelte Freundlichkeit, die hier jedem an den Tag gelegt wird. Ich finde es eine unglaublich tolle Sache, dass ich meinen Lieblingsimbissbudenbesitzer mit "Mach mal einmal Pommes." ansprechen kann. Du kannst hier jeden duzen. Jeder hilft dir.
Beispielhaft eine Begegnung von vor wenigen Wochen. Ich stand an meinem Lieblingsplatz am Goldbekkanal und hörte über Kopfhörer die Hamburger Kult-Rap-Formation "Absolute Beginner". Ein junger Mann kam auf mich zu - die Musik war wohl sehr laut - und er erkannte den Beat. Er sprach mich an und sagte einfach nur: "Hamburg, Digger, Hamburg." Ich hoffe ihr versteht jetzt, weshalb ich diese Stadt liebe. Hamburg: <3Me can haz new job.
Aber mal der Reihenfolge nach: Ich bin keiner dieser Männer, die "Blau" ihre Lieblingsfarbe nennen. War auch keines der Kinder, denen in jungen Jahren eingeprügelt wird, dass "echte Männer" auf Blau stehen müssen und alles andere unmännlich sei. Ich finde etwa, Gelb ist eine großartige Farbe. Grundfarbe - allein das hört sich schon ziemlich wichtig an. Und schließlich sind so viele hervorragende Dinge gelb: die ADAC-Engel, alte Telefonzellen, Pfannkuchen, Entenküken, amerikanische Taxis, die Simpsons, die Sonne, Sterne, Käse, amerikanische Schulbusse, Winnie the Pooh, Sonnenblumen und natürlich die Packung meines Lieblingskakaopulvers. Und "Gelb!" ist auch der erste Gedanke, der Arthur Dent in den Sinn kommt, als eines Morgens urplötzlich ein Bulldozer vor seinem Haus steht. Zusammenfassung für diesen ersten Absatz: Gelb ist schon herrlich toll. Ich finde, es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Gelbtöne es doch gibt: Zitronengelb, Goldgelb, Indischgelb, Primärgelb, Schwefelgelb. Bei Ampeln spricht der gewiefte Autofahrer sogar manchmal von "Dunkelgelb". Und einmal von FDP und Xanthophobie (bezeichnet die Angst vor der Farbe gelb) abgesehen, gibt es eigentlich nur wenige schlechte Dinge, die gelb sind. Und nun, gelb ist ja fast so etwas wie hellorange und gegen orange kann man ja nun wirklich nichts sagen. Diese Farbe also, Gelb, wird gemeinhin mit Lebensfreude und Frische assoziiert. Dazu passt es, dass ich euch heute erzähle, dass ich seit einigen Tagen bei einem Unternehmen arbeite, dessen Corporate Color ein Gelbton ist. Nein, nicht die Deutschen Post, soweit würde es nie kommen. Ich werde ab heute offiziell Torben, Lucie und die gelbe Gefahr neben dem Studium als Stratege unterstützen. Die Berliner Agentur für digitale Markenkommunikation (Kunden u.a. Gravis, Nutella, Payback, SPD, Subway, Vodafone) hat erst in diesem Monat ihr schönes Hamburg-Büro im bekanntesten Viertel St. Pauli bezogen. Hier, direkt zwischen Kneipen, Ladengeschäften und Hans Albers werden drei Mitarbeiter, zwei Strategen und eine Projekt-Managerin, besonders unsere Hamburger Kunden im digitalen Alltag begleiten und unsere Berliner Kollegen unterstützen. Am letzten Freitag hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Berlin. Ich freue mich, bei der führenden deutschen Agentur ihres Fachs anzuheuern und gemeinsam mit meinen neuen Kollegen in der Hamburger Agenturlandschaft ein wenig für Furore zu sorgen. Während ich diese Zeilen so tippe, finde ich übrigens, "Wir machen Buzz. Sogar für den zweiten Mann auf dem Mond." wäre ein wortwitziger Slogan für eine Agentur. Ich werde ihn mal vorschlagen. Sicher sind einige von euch jetzt gelb vor Neid. Doch nun lasst uns gemeinsam die Beatles anstimmen und in schön-schiefen Tönen von unserem gelben U-Boot singen: "We all live in a yellow submarine, yellow submarine, yellow submarine."Ich beobachte die Sonne dort am Horizont. Der Oktober ist erst wenige Tage alt und der September war schöner als der Sommer. Und jetzt, so kurz vor den ersten Herbststürmen, dieser atemberaubende Sonnenuntergang dort. So unerreichbar und doch nah. Wie toll und richtig sie das macht, dieses Verschwinden. Die wenigen Wolken haben sich um sie herum aufgebaut, als wollten sie ihren Abschied mit einer besonders ausgefeilten Formation würdigen. Ein helloranger Sonnenuntergang, der Inbegriff der Romantik. Ich frage mich, wie viele Verliebte gerade vor dieses Schauspiel sitzen und von der Zukunft sprechen. Eine Szene, die Träumer verschlingt und gebärt. Doch im Grunde ist es, wie es Thees Uhlmann so perfekt besingt, ja gar kein Untergehen.
Ich stelle mir vor, am Elbstrand zu sitzen und die Sonne zu beobachten, wie sie von den Kränen am Hafen auf der anderen Uferseite verschluckt wird, und ich einem besonders tollen Menschen in die Auge schaue und sage: "Die geht gar nicht unter. Denn: 'Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht.'" Und ich glaube, meine Suche nach dem perfekten Menschen ist erst beendet, wenn mein Gegenüber versteht.