Affen stellen sich nur blöd

07.01.07

Kategorie: Journalistisches

Glaubt man einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, so stellen sich die Affen nur blöd (bzw. der interviewte Affe tut dies). Charly, so heißt der Affe, antwortet “mit Hilfe von Bildtafeln, Tonsequenzen und Zeichensprache”.

“Im Laufe der Zeit hat man Ihnen immer komplexere Fragen gestellt, trifft das zu?” - “Hunger.” - “Bitte?” - “Charly Hunger. Test nur weitermachen, wenn Futter neu.” - “Sie kennen doch die Regeln, Herr Charly. Erst beantworten Sie unsere Fragen, dann gibt’s was.” - “Nein.” - “Doch.” - “Na gut.”

Der erste Eindruck des Affen ist nicht sonderlich gut, doch dann konfroniert ihn Interviewer Dietmar Dath mit komplexeren Fragen. Bei einer passiert dann das Erstaunliche, als der Fragesteller ihn immer weiter “in die Ecke drängt”: “Ja, das schmeckt Ihnen nicht, wie? Dann müssen Sie eben von den Menschen lernen. In unserer Gesellschaft wird eine rege, offene und manchmal sogar faire Debatte über das Geschlechterverhältnis…” - “Du hast leicht reden - aber selbst die gute Übertragbarkeit von Erkenntnissen bezüglich Verhaltensdispositiven zwischen unsereinem und den Pongiden, zu deren nächster Verwandtschaft der Mensch bekanntlich zählt, ist als Schlüssel für die neuere Soziobiologie, wie nicht nur der direkte Abgleich von Rhesusaffen-Beobachtungen mit solchen zeigt, die man etwa bei pan paniscus, dem aus Film und Fernsehen so beliebten Schimpansen, hat machen können, was insbesondere im Hinblick etwa auf Rangstreben und Territorialverhalten und deren jeweilige Relevanz für die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit eines gegebenen Genotyps…” - “Herr Charly?” - “Ja?” - “Wo haben Sie denn auf einmal diese interessante Syntax her? Überhaupt, wer hat Ihnen eigentlich beigebracht, die Signaltafeln zu ignorieren und stattdessen direkt fertige Sätze mit elaboriertem Vokabular ins Keyboard zu tippen?” - “Äh . . . hoppla.” - “Erwischt! Von wegen Hunger! Von wegen weiß nicht! Herr Charly!” - “Ohne meinen Anwalt sage ich überhaupt nichts mehr.”

Ich fand das Interview sehr interessant und vor allem die Verhaltensweisen des Affen, als er “direkt fertige Sätze mit elaboriertem Vokabular ins Keyboard” tippte. Ist er schlauer als wir alle denken? Linken uns seine Tierpfleger? Wie ist das nun zu verstehen…?

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