Posterous theme by Cory Watilo

Weshalb "XOXO" von @BenniferRostock für mich das beste Album 2011 ist

Lange habe ich nun dieses Album schon gefeiert. Und das tue ich nach wie vor. Weil Casper mit "XOXO" etwas gelungen ist, das jeder Künstler versucht, doch nur einem Bruchteil gelingt: die essentiellen Facetten des menschlichen Lebens zu erkennen, ihnen nachzulaufen, sie einzufangen, sie schonungslos mit mal harten, mal weichen Worten vorzuführen und in ein Album zu komprimieren. Und vor allem: uns nachdenken zu lassen.

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Til my hip don't hop anymore

Es schwierig, bei einem Fotoshooting nicht nur darum bemüht sein zu müssen, die Seele der fotografierten Person in einer einzigen Fotografie oder einer Serie einzufangen, sondern gleichzeitig auch das Lebensgefühl einer ganzen Subkultur zu vermitteln. Doch beides ist notwendig, wenn man die Person Shawty darstellen möchte.

Ich kenne niemanden, der so stark für ein Lebensgefühl steht, wie sie. Für Hip Hop. Die Aufgabe war relativ klar: Shawty fotografieren. Natürlich ist es dabei ein Leichtes, Hip-Hop-Klischees zu porträtieren oder gar persiflieren: "Gangster" mit viel Bling Bling, fette Karren, auf dicke Hose machen und sich selbst feiern. Doch darum ging es mir ganz besonders nicht, denn ich glaube verstanden zu haben, dass sich dieses Bild, das die Menschen von Hip Hop haben, nicht mit dem Lebensbild der wirklichen Akteure dieser Kultur und des Musikgenres deckt. Deshalb habe ich versucht, Hip-Hop-Elemente (wie Graffiti oder Breakdance) mit der Ruhe zu verknüpfen: mit Nachdenklichem, mit Melancholie - ein stark ausschlaggebendes, wiederkehrendes Element meiner Fotografie. Und natürlich wollte ich die Schönheit der Stadt zeigen, durch die Hamburg zu einer der Wiegen des deustchen Raps wurde. Ich hoffe sehr, diese Verbindung von Hip Hop, Nachdenklichkeit, Hamburg und selbstverständlich und ganz besonders Shawtys einzigartiger Persönlichkeit ist mir gelungen.

Mir hat es riesigen Spaß gemacht. Vielen Dank auch noch mal an Def Shop, die Klamotten beigesteuert haben. Und genau deshalb steht dieses Fotoshooting in einer verlassenen Fabrikanlage in Hammerbrook unter dem Motto "Til my hip don't hop anymore" - angelehnt an eine Textzeile von Eminem.

(download)

Hamburg, Digger, Hamburg.

"Und da bei euch im Süden von der Elbe,
da ist das Leben nicht dasselbe.
Denn da im Süden von der Elbe,
da sind die Leute nicht dasselbe."

Heute vor sechs Jahren, am 16. Oktober 2005, kam ich das erste Mal nach Hamburg. Ich besuchte mit meinen Eltern die Speicherstadt, das Miniaturwunderland und anschließend den Michel. Ich weiß noch, wie ich vor den beeindruckenden Speichern am Fleet stand und sagte: "Einmal werde ich in dieser Stadt leben."

Ich bin jetzt seit knapp über einem Jahr in Hamburg, kam aus der kleinen Stadt. Mittlerweile habe ich hier Fuß gefasst, Freunde gefunden, mehrere Arbeitgeber gehabt. Hamburg ist schon jetzt, nach so kurzer Zeit, zu einer der wichtigsten Stationen meines Lebens geworden. Hier habe ich mich in dieser Zeit unglaublich entwickelt, bin so schnell gereift (jedenfalls fühle ich mich reifer), wie in den Jahren zuvor vermutlich nicht. Aus mir ist ein anderer Mensch geworden. Hamburg hat mein Leben geprägt. Und genau deshalb ist Hamburg die tollste Stadt unseres Planeten. Für mich. Und für alle anderen Hamburger.

Doch man sieht auf uns herab, wenn in regelmäßigen Abständen Hamburg als "die schönste Stadt der Welt" bezeichnet wird, einen Stadtpatriotismus wie den in Hamburg gibt es selten. Wir haben die Elbe, die Alster -- aber vielmehr haben wir uns. Die Menschen sind es, die Hamburg zu dem Platz machen, über den niemand Schlechtes sagen kann. Alle meine Freunde, ob aus Großbritannien, Guatemala, Australien, Lettland, alle Freunde, die über einen längeren Zeitraum in Hamburg waren oder es noch sind, fühlen sich hier aufgehoben, wohl, geborgen. Viele wollen dauerhaft ihr Leben hier hinverlagern. Das liegt nicht nur an der Offenheit gegenüber anderen Kulturen (Hanse prägt halt), sondern auch an der offenen Mentalität der Menschen. Wie besang schon die schwedische Folk-Band "Friska Viljor" diese Stadt:

"It was not until we met this man
And all his beautiful friends they started to show us around
That we really knew where we should go
We should go to
Wohlwillstrasse
It's where we should go, where we should go"

Diese ungekünzelte Freundlichkeit, die hier jedem an den Tag gelegt wird. Ich finde es eine unglaublich tolle Sache, dass ich meinen Lieblingsimbissbudenbesitzer mit "Mach mal einmal Pommes." ansprechen kann. Du kannst hier jeden duzen. Jeder hilft dir.

Beispielhaft eine Begegnung von vor wenigen Wochen. Ich stand an meinem Lieblingsplatz am Goldbekkanal und hörte über Kopfhörer die Hamburger Kult-Rap-Formation "Absolute Beginner". Ein junger Mann kam auf mich zu - die Musik war wohl sehr laut - und er erkannte den Beat. Er sprach mich an und sagte einfach nur: "Hamburg, Digger, Hamburg." Ich hoffe ihr versteht jetzt, weshalb ich diese Stadt liebe. Hamburg: <3

Gelb > Andere Farben

Me can haz new job.

Aber mal der Reihenfolge nach: Ich bin keiner dieser Männer, die "Blau" ihre Lieblingsfarbe nennen. War auch keines der Kinder, denen in jungen Jahren eingeprügelt wird, dass "echte Männer" auf Blau stehen müssen und alles andere unmännlich sei. Ich finde etwa, Gelb ist eine großartige Farbe. Grundfarbe - allein das hört sich schon ziemlich wichtig an. Und schließlich sind so viele hervorragende Dinge gelb: die ADAC-Engel, alte Telefonzellen, Pfannkuchen, Entenküken, amerikanische Taxis, die Simpsons, die Sonne, Sterne, Käse, amerikanische Schulbusse, Winnie the Pooh, Sonnenblumen und natürlich die Packung meines Lieblingskakaopulvers. Und "Gelb!" ist auch der erste Gedanke, der Arthur Dent in den Sinn kommt, als eines Morgens urplötzlich ein Bulldozer vor seinem Haus steht. Zusammenfassung für diesen ersten Absatz: Gelb ist schon herrlich toll.

Ich finde, es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Gelbtöne es doch gibt: Zitronengelb, Goldgelb, Indischgelb, Primärgelb, Schwefelgelb. Bei Ampeln spricht der gewiefte Autofahrer sogar manchmal von "Dunkelgelb". Und einmal von FDP und Xanthophobie (bezeichnet die Angst vor der Farbe gelb) abgesehen, gibt es eigentlich nur wenige schlechte Dinge, die gelb sind. Und nun, gelb ist ja fast so etwas wie hellorange und gegen orange kann man ja nun wirklich nichts sagen.

Diese Farbe also, Gelb, wird gemeinhin mit Lebensfreude und Frische assoziiert. Dazu passt es, dass ich euch heute erzähle, dass ich seit einigen Tagen bei einem Unternehmen arbeite, dessen Corporate Color ein Gelbton ist. Nein, nicht die Deutschen Post, soweit würde es nie kommen. Ich werde ab heute offiziell Torben, Lucie und die gelbe Gefahr neben dem Studium als Stratege unterstützen. Die Berliner Agentur für digitale Markenkommunikation (Kunden u.a. Gravis, Nutella, Payback, SPD, Subway, Vodafone) hat erst in diesem Monat ihr schönes Hamburg-Büro im bekanntesten Viertel St. Pauli bezogen. Hier, direkt zwischen Kneipen, Ladengeschäften und Hans Albers werden drei Mitarbeiter, zwei Strategen und eine Projekt-Managerin, besonders unsere Hamburger Kunden im digitalen Alltag begleiten und unsere Berliner Kollegen unterstützen.

Am letzten Freitag hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Berlin. Ich freue mich, bei der führenden deutschen Agentur ihres Fachs anzuheuern und gemeinsam mit meinen neuen Kollegen in der Hamburger Agenturlandschaft ein wenig für Furore zu sorgen. Während ich diese Zeilen so tippe, finde ich übrigens, "Wir machen Buzz. Sogar für den zweiten Mann auf dem Mond." wäre ein wortwitziger Slogan für eine Agentur. Ich werde ihn mal vorschlagen.

Sicher sind einige von euch jetzt gelb vor Neid. Doch nun lasst uns gemeinsam die Beatles anstimmen und in schön-schiefen Tönen von unserem gelben U-Boot singen:

"We all live in a yellow submarine, yellow submarine, yellow submarine."

S

iPhone4S(teve).

“Remembering that I’ll be dead soon is the most important tool I’ve ever encountered to help me make the big choices in life. Because almost everything — all external expectations, all pride, all fear of embarrassment or failure - these things just fall away in the face of death, leaving only what is truly important. Remembering that you are going to die is the best way I know to avoid the trap of thinking you have something to lose. You are already naked. There is no reason not to follow your heart.”
-- Steve Jobs

Was morgen anders ist: alles.

Morgen ist alles anders, als es heute noch war. So war das schon immer, so wird es immer sein. Diese Woche könnte auch die "Themenwoche Aufbruch" im Theater meines Lebens sein. Ab morgen bin ich auch einer dieser Menschen, auf die alle lächelnd herabsehen, die aber trotzdem jeder irgendwie ins Herz geschlossen hat: ein Student. Ich glaube, es wird eine gute Zeit. (Man achte übrigens auf weitere Themenangebote aus der "Themenwoche Aufbruch" gegen Donnerstag oder Freitag).

Die Sonne geht unter. Wie toll sie das macht.

Ich beobachte die Sonne dort am Horizont. Der Oktober ist erst wenige Tage alt und der September war schöner als der Sommer. Und jetzt, so kurz vor den ersten Herbststürmen, dieser atemberaubende Sonnenuntergang dort. So unerreichbar und doch nah. Wie toll und richtig sie das macht, dieses Verschwinden. Die wenigen Wolken haben sich um sie herum aufgebaut, als wollten sie ihren Abschied mit einer besonders ausgefeilten Formation würdigen. Ein helloranger Sonnenuntergang, der Inbegriff der Romantik. Ich frage mich, wie viele Verliebte gerade vor dieses Schauspiel sitzen und von der Zukunft sprechen. Eine Szene, die Träumer verschlingt und gebärt. Doch im Grunde ist es, wie es Thees Uhlmann so perfekt besingt, ja gar kein Untergehen.


Ich stelle mir vor, am Elbstrand zu sitzen und die Sonne zu beobachten, wie sie von den Kränen am Hafen auf der anderen Uferseite verschluckt wird, und ich einem besonders tollen Menschen in die Auge schaue und sage: "Die geht gar nicht unter. Denn: 'Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht.'" Und ich glaube, meine Suche nach dem perfekten Menschen ist erst beendet, wenn mein Gegenüber versteht.

Gleichberechtigung

Aus gegebenen Anlass. Eine Frauenquote ist der natürliche Feind der Gleichberechtigung. Sie steht im Gegensatz dazu, denn sie bevorzugt und benachteiligt. Es werden Probleme nicht gelöst, sondern verschoben. Echte Gleichberechtigung hingegen kennt kein Geschlecht. Erst wenn wir keine Diskussionen mehr darüber führen, wie viel Prozent der Vorstände weiblich sind oder wie viele Piratenabgeordneten Frauen sind, haben wir Gleichberechtigung erreicht. Besser: erst wenn wir gar nicht mehr darüber nachdenken, dass wir darüber überhaupt eine Diskussionen hätten führen können.

Natürlich ist mir bewusst, dass es bis dahin ein großer Schritt ist, aber jede Veränderung beginnt in uns selbst. Also: Bitte ein Ende der unsinnigen Gender-Diskussion.

Dinge, die wir nie bekommen können.

Ich war schon oben.
Und war schon unten.
Hab überall mein Glück gesucht
und nirgends gefunden.
Und hab' gelernt:
Egal, was ich hab,
es ist nie das, was ich will.

Das menschliche Streben nach den Dingen, die wir nie bekommen können. In einfachen Worten, doch hoher Wahrheit auf den Punkt gebracht in "SchwarzWeiß", dem neuen Album des Hamburger Hip-Hop-Urgesteins Samy Deluxe. Endlich komme ich auch dazu, mich reinzuhören. Samy schickt sich mit diesem an, den Hip Hop in Deutschland auf den richtigen Pfad zurückzuführen. Wenn er das schafft: Respekt. Wenn nicht: auch. Es war nicht dein Fehler.

Vor zehn Jahren; und heute

Heute vor zehn Jahren war ich bei meinem damals besten Freund. Gerade erst zehn Jahre alt geworden, Grundschüler, interessierte mich für Disney und Tolkien. Wir saßen am Computer seiner Familie, Computer waren erst jüngst in unser kindliches Leben getreten und für uns noch ziemliches Neuland. Er stand im Wohnzimmer; ich erinnere mich an die Piepsgeräusche eines 56k-Modems, das sich verbindet.

Seine Schwester saß im selben Zimmer, hatte den Fernseher an. Während die flackernden Bilder betrachtete, sagte sie trocken: "Gerade ist ein Flugzeug in ein Haus geflogen." Ich weiß noch, dass es mich nicht sonderlich interessierte, ob irgendwo - für ein Kind so unendlich weit weg - ein Flugzeug abgestürzt war. Irgendwann gingen wir trotzdem zu ihr aufs Sofa, als wir ihre Stimmung bemerkten. Schließlich begriffen wir die Ausmaße. Doch nicht die Auswirkungen.

Die Auswirkungen sollten wir alle erst in den Jahren danach spüren. Kriege wurden durch diesen Akt legitimiert, Freiheits- und Bürgerrechte beschnitten. Ich komme um den Gedanken nicht herum, dass damit der Terrorismus erreicht hat, was er wollte. Viel tragischer als die erste Welle, der Anschlag als solcher, für unser aller Leben ist beim Terrorismus ja die zweite Welle: reflexartig zuschnappende Politiker, die sofort die Einschränkung sämtlicher Rechte einfordern - und dank kollektivem Nicken von uns allen durchsetzen. Doch das macht die Politiker zu Handlanger des Terrorismus. Gerade in solchen Zeiten hätten die Regierenden ihre Entschlossenheit zeigen müssen, dass wir uns als - sogenannte - Demokratie in unserer - sogenannten - Freiheit nicht beschneiden lassen werden. Gerade hier hätte man fester zusammenstehen müssen und statt ihn langsam aufzuweichen, einen festen Boden, ein Fundament, unter unserer Freiheit demonstrieren sollen. Tat man nicht.

Zehn Jahre danach kann man eigentlich nur sagen: der Terrorismus hat gewonnen. Doch nicht, wie wir alle vermuteten, weil es nach dem 11. September noch weitere, verheerendere Anschläge gegeben hätte, sondern weil sich die Angst vor ihm in unsere Köpfe gebrannt hat. Eine Angst, die reale Ängste, wie etwa die vor einem Autounfall oder vor Krebs, in den Hintergrund drängt. Manchmal glaube ich, wir Menschen wollen uns abstrakte Angstgeflechte aufbauen, um die realen, die uns tagtäglich begegnen, nicht wahrhaben oder besser verarbeiten zu können.

Was hat der 11. September aus uns gemacht? An Bahnhöfen werden vergessene Koffer mit Kleidung gesprengt. Natürlich, nachdem dieser geräumt wurde und der Zugverkehr in der Region für Stunden stillsteht. Terroristen brauchen heutzutage gar keine Bomben mehr, nur Koffer mit tickenden Weckern.
Angehörige des Islams werden als potentielle Attentäter, die uns nach dem Leben trachten, unter Generalverdacht gestellt. So ein Verhalten kennt man doch in der deutschen Vergangenheit. Natürlich, Vergangenheit wird sich nie wiederholen, auch wenn es oft genug prophezeit wird. Doch wir sollten einige Anzeichen beachten.

Wir sollten an dieser Stelle innehalten und uns fragen: wer hat gewonnen? Wir? Oder die Terroristen? Und wer hätte eigentlich gewinnen sollen?